Der Wille zur Anpassung an die Digitalisierung ist (k)eine Altersfrage

Laut einer Umfrage ist nur gut ein Drittel der Schweizer Bevölkerung bereit, sich den Anforderungen der neuen Arbeitswelt anzupassen. Noch geringer ist die Bereitschaft bei den 35- bis 49-Jährigen, dem Fundament der Belegschaft in einem Unternehmen – ein schlechtes Omen für die digitale Transformation.

von Extern / Partner
29 Nov / 5 min read

Die Automatisierung der Arbeitsprozesse – neudeutsch digitale Transformation – ist für den Einzelnen sowohl mit Chancen wie auch Risiken verbunden. Der vermehrte Einsatz von Computern, Robotern und intelligenten Algorithmen kann als Gefahr betrachtet werden, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Ebenso gross ist aber auch die Hoffnung, von repetitiven, überflüssigen Verrichtungen entlastet zu werden. Der erstmals erhobene DigitalBarometer 2019 hat untersucht, wie die Schweizer Bevölkerung über acht verschiedene Aspekte der Digitalisierung denkt, unter anderem eben, wie man persönlich die Chancen und Gefahren einer Automatisierung von Arbeitsprozessen einschätzt.

Die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage überraschen, nicht in ihrer Gesamtheit, sondern wie sich die verschiedenen Altersgruppen zum digitalen Umbruch stellen. Wie bei allen Themenfeldern ist die Ambivalenz bei der Automatisierung gross, fast die Hälfte ist sich nicht im Klaren darüber, ob damit eher Chancen oder Risiken verbunden sind. Zu erwarten war auch, dass die persönliche Betroffenheit durch die Automatisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt abnimmt, je älter jemand ist.

Überraschend, ja erschreckend ist jedoch, wie klein die Bereitschaft der Schweizer offenbar ist, ihr eigenes Verhalten der neuen Arbeitswelt anzupassen. Nur 35% sind bereit, sich den neuen Anforderungen in ihrer Berufswelt anzupassen, zum Beispiel mit Weiterbildungen. Bei den 35- bis 49-Jährigen beträgt die Bereitschaft sogar nur 28%, deutlich weniger als ihre älteren Kameraden (50 bis 64 Jahre: 41%). Die Autoren der von der Stiftung Risiko-Dialog erhobenen Umfrage erklären sich dieses Phänomen damit, dass diese Altersgruppe wegen familiärer Verpflichtungen stark eingebunden ist und «andere Prioritäten» setzt. Das mag zwar eine rationale Rechtfertigung sein, erklärt aber den starken Unwillen zur Anpassung an die Veränderungen nicht zufriedenstellend. Diese Alterskategorie bildet das Fundament eines Unternehmens. Sträubt sich sogar diese Gruppe gegen den Wandel, werden selbst die tollsten Digitalinitiativen der Unternehmensführungen kläglich scheitern.

 Autor: Giorgio V. Müller publiziert in der NZZ (29.11.19)

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