#KI in unserem Alltag: Dritte Dialogveranstaltung in Lausanne

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «KI in unserem Alltag» fand am 24. September 2020 die dritte Dialogveranstaltung statt – diesmal im Impact Hub Lausanne. Im Austausch mit Fachexpert_innen konnte die interessierte Bevölkerung Hoffnungen und Sorgen sowie Herausforderungen konkreter Anwendungen von künstlicher Intelligenz diskutieren. Das Projekt wird in Kooperation mit der SATW und den Akademien der Wissenschaften Schweiz durchgeführt.

von Anna-Lena Köng
25 Okt / 5 min read

Trotz der angespannten Gesundheitslage im Kanton Waadt konnten wir an der dritten und vorerst letzten KI-Dialogveranstaltung zahlreich interessierte Teilnehmende in Lausanne begrüssen. Unter Einhaltung der empfohlenen Schutzmassnahmen wurden sowohl im Plenum als auch in den drei Workshop-Sessions angeregte und hochstehende Diskussionen geführt.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einer Keynote  von Prof. Hervé Bourlard, Direktor des Idiap Research Institutes. Er verschaffte den Teilnehmenden einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz. Dabei betonte er, dass KI in Zukunft insbesondere die Art und Weise wie wir arbeiten werden beeinflussen wird und sich die Lebensqualität in vielen Bereichen verbessern wird. Klar sei aber auch, dass die ökonomischen und sozialen Auswirkungen äusserst komplex und daher schwer vorherzusagen seien. Nach einer kurzen Diskussion und weiteren Erläuterungen zum Ablauf des Abends, widmeten sich die Teilnehmenden in drei parallelen Workshops jeweils einem konkreten Anwendungsbereich der Künstlichen Intelligenz, nämlich «KI in der Medizin», «KI und personalisierte Informationen in Social Media» oder «KI in Bewerbungsprozessen».

Anhand eines Brainstormings wurden jeweils zu Beginn der Workshops wesentliche Assoziationen gesammelt und im Anschluss mit den Resultaten aus der Veranstaltung in Zürich und Bern verglichen und ergänzend festgehalten. Pro Workshop war jeweils ein_e Fachexpert_in anwesend, welche_r die Gruppe zu aktuellen KI-Anwendungen in jedem Teilbereich und weiteren Entwicklungen informierte. Anhand eines konkreten Szenarios wurden anschliessend spezifische Herausforderungen sowie Chancen und Risiken beleuchtet, um im weiteren Vorgehen gemeinsam Empfehlungen zu formulieren, wie künstliche Intelligenz in den einzelnen Fachbereichen gesellschaftlich akzeptabel eingesetzt werden könnte.

KI muss in der Medizin reproduzierbar und verständlich sein

Im Workshop «KI in der Medizin» stellte Prof. Christian Lovis, Leiter der Abteilung medizinische Informationswissenschaften der Universitätsspitäler Genf HUG, zentrale Herausforderungen beim Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Medizin vor. Basierend auf seiner Präsentation diskutierten die Teilnehmenden die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der heute verwendeten Algorithmen, insbesondere im Bereich der Diagnosehilfe. Ein zentrales Thema schien dabei vor allem die Relevanz menschlicher Beziehung und des Vertrauens zwischen Patienten_in und Arzt_in. Auf KI-basierende Programme in der Medizin sollten heute nach Ansicht der Workshop-Teilnehmenden als neue Instrumente angesehen werden, welche Gesundheitsfachpersonen unterstützen, aber nicht ersetzen sollen. Die Zukunft liegt in der Mensch-Maschine-Zusammenarbeit.

KI soll atypische Profile nicht benachteiligen

Der Workshop «KI in Bewerbungsprozessen» wurde von Tanguy Dulac von Deloitte Schweiz begleitet. In seiner Präsentation beleuchtete er die Rolle der Technologie im Bereich von Bewerbungsprozessen. Die Teilnehmenden betonten, dass Transparenz, Fairness, Glaubwürdigkeit und Ethik wichtige Werte sind, die den Begriff KI heute begleiten. Ihre Hauptbefürchtungen sind der Verlust einer legitimen menschlichen und emotionalen Rolle bei der Rekrutierung sowie Auswahlverzerrungen, die atypische oder innovative Profile in der Arbeitswelt benachteiligen. Auch wurden Bedenken bezüglich der Ungewissheit über die Fähigkeiten der Algorithmen, den Zugang zu Daten und das Thema Entscheidungsverantwortung geäussert. Es wurden aber auch Vorteile genannt. So ist allen bewusst, dass KI die Effizienz von Bewerbungsprozessen steigern kann und auch als Entscheidungsunterstützung eingesetzt werden kann.

Unter den geäusserten Wünschen wurde die Einführung von Transparenzregeln und Schulungen (für HR-Fachleute und die Öffentlichkeit) weitgehend befürwortet. Die Teilnehmenden wünschen sich zudem die Errichtung einer Technologieaufsicht und eines Qualitätslabels.

Kritische Haltung gegenüber dem Einsatz von KI auf sozialen Plattformen

Im Workshop «KI und personalisierte Informationen in sozialen Medien» stand Nicolas Baya-Laffite, vom STSlab der Universität Lausanne, als Experte zur Verfügung. Die Diskussionen innerhalb dieser Gruppe waren sehr reichhaltig und vielfältig. Die Workshopteilnehmenden stehen dem Einsatz von KI im Kontext sozialer Netzwerke sehr ambivalent gegenüber. Die Gruppe stellte viele Missbräuche fest. Diese sind grösstenteils auf das Geschäftsmodell – «falsche Kostenfreiheit» – zurückzuführen, das der Entwicklung dieser Plattformen zugrunde liegt, wie Nicolas Baya-Laffite in seinem Vortrag darlegte. Phänomene wie «Filterblasen», Falschnachrichten bis hin zu einer gefühlt zunehmenden Verwischung der Grenze zwischen Fiktion und Realität werden insbesondere im Hinblick auf die demokratische Debatte kritisch diskutiert. Ein Fazit aus dem Workshop «KI und personalisierte Informationen in sozialen Medien»: Ob man den Einsatz von künstlicher Intelligenz als gut oder schlecht empfindet, hängt nicht nur aber besonders auch in den sozialen Medien von der jeweiligen Nutzung der Technologie ab.

Das partizipative Veranstaltungsformat kommt gut an

Die in den Workshops erarbeiteten Resultate wurden zum Schluss im Plenum vorgestellt. Alle Anwesenden erhielten so auch einen kurzen Einblick in die Diskussionen der anderen Anwendungsbereiche. Seitens der Teilnehmenden gab es fast ausschliesslich positive Rückmeldungen. Die aktive Mitarbeit und die Diskussionen in den Workshops wie auch der gegenseitige Austausch und mit Fachleuten wurden sehr geschätzt. Der anschliessende Apéro bot nochmals die Gelegenheit, sich auszutauschen und den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Die Resultate aus der Veranstaltungsreihe werden nun zu einem Bericht kondensiert und sollen – wenn die Pandemie-Lage dies erlaubt – an einer Veranstaltung anfangs Dezember 2020 einem ausgewählten Publikum mit Vertreterinnen und Vertretern der Politik und der Bundesverwaltung vorgestellt werden.

_Übersicht Projekt #KI Künstliche Intelligenz in unserem Alltag