#KI in unserem Alltag: Neue Ideen in Bern

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «KI in unserem Alltag» fand am 21. November 2019 der zweite Anlass statt – diesmal im PROGR in Bern. In Kooperation mit der SATW und den Akademien der Wissenschaften Schweiz bot APROPOS im Rahmen dieses Anlasses der interessierten Bevölkerung die Gelegenheit im Austausch mit Expert_innen Hoffnungen und Sorgen sowie konkrete Forderungen an #KI zu adressieren.

von Nathalie Stübi
25 Nov / 5 min read

Gestartet wurde in die zweite KI-Dialogveranstaltung mit dem Eröffnungsreferat von Dr. Matthias Stürmer, dem Leiter der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit an der Universität Bern. Er klärte die Teilnehmenden über seine Forschungsschwerpunkte sowie über den Einsatz und die Funktionsweisen von KI auf. 

Danach widmeten sich die Teilnehmenden in drei parallelen Workshops jeweils einem Teilbereich, nämlich «KI in der Medizin», «KI und personalisierte Informationen in Social Media» oder «KI in Bewerbungsprozessen». Anhand eines Brainstormings wurden jeweils zu Beginn der Workshops wesentliche Assoziationen gesammelt und im Anschluss mit den Resultaten aus der Veranstaltung in Zürich verglichen und ergänzend festgehalten. Pro Workshop war ein_e Fachexpert_in anwesend, welche_r die Gruppe zu aktuellen KI-Anwendungen und weiteren Entwicklungen informierte. Ein konkretes KI-Szenario, welches spezifische Herausforderungen, Chancen und Gefahren aufzeigte, dienten Kleingruppen innerhalb der Workshops anschliessend als Grundlage für die Ausarbeitung von spezifischen Empfehlungen im Umgang mit der hiesigen KI-Technologie. Die in Kleingruppen erarbeiteten Empfehlungen mit konkreten Präzisierungen im Hinblick auf Adressat_innen sowie bestehenden Hindernissen und offenen Fragen wurden von den jeweiligen Workshop-Moderator_innen abschliessend im Gesamtplenum vorgestellt. Dadurch wurde allen ein Überblick über jedes der drei Anwendungsfelder von KI geschaffen und Einblicke in die Diskussionen innerhalb der drei Workshops gewährt.

Im Workshop «KI in der Medizin» war Oberarzt Dr. Frédéric Zubler vom Inselspital, Universitätsspital Bern, als Experte anwesend und zeigte auf, wie er KI einsetzt. Bei Koma-Patient_innen werden nach einem Herzkreislauf-Stillstand unter anderem die Hirnaktivität mittels EEG gemessen. Zubler setzte KI-Programme ein, die Muster in den Kurven identifizieren konnten.Damit konnte er in den vorhandenen Testdaten den weiteren Verlauf des Gesundheitszustands mit einer hohen Wahrscheinlichkeit vorhersagen. Wichtig für die Teilnehmenden war, dass die Methoden der KI-Prognosen nachvollziehbar sind und dass die Technologie nicht Ärzt_innen ersetzt, sondern als Entscheidungshilfe eingesetzt wird. Weiter wurde diskutiert, inwiefern zusätzlichen Fähigkeiten in einem medizinischen Beruf notwendig werden, um mit der neuen Technologie umzugehen. Zudem wünschten sich die Teilnehmenden für KI in der Medizin die gleichen Zulassungskriterien wie für andere medizinische Geräte, Therapien oder Medikamente.

Der Workshop «KI in Bewerbungsprozessen» wurde von Sandrine Michelmore von Deloitte Schweiz als Expertin begleitet. Sie präsentierte den Teilnehmenden das KI-System «Amelia», das die Bewerber_innen anhand ihrer Lebensläufe selektiert, erste Gespräche durchführt und Termine mit Firmenmitglieder_innen vereinbart. Die Teilnehmenden sahen eine wesentliche Herausforderung und Forderung darin, die Transparenz in der Datenverarbeitung und innerhalb des Bewerbungsprozesses für die Bewerbenden zu gewährleisten. Auch wünschen sie sich den Mehrwert der (noch) kostenintensiven KI-Technologie nicht nur Grossunternehmen, sondern auch KMU’s zur Verfügung zu stellen. Klare Spielregeln und Tools zur Skalierung «nach unten» fassen die Wünsche zusammen.

Präsentation Deloitte «KI in Bewerbungsprozessen»

Im Workshop «KI und personalisierte Informationen in Sozialen Medien» stand Dr. Matthias Stürmer als Experte für Fragen zur Verfügung. Für die Ausarbeitung von Empfehlungen wurden zwei Themen fokussiert: Erstens, wie kann die Transparenz bei der Datensammlung und der KI-basierten personalisierten Informationsselektionen, verbessert werden? Hierzu wurden viele unterschiedliche Empfehlungsansätze diskutiert. Zum einen wurde regulierende Massnahmen besprochen: AGB’s sollten einfacher verständlich sein, ein unabhängiges Gremium könnte Transparenz- und Deklarationsverpflichtungen überprüfen, Datenschutzgesetze müssen angepasst werden und es braucht eine Rechenschaftspflicht seitens Datensammler_innen. Zum anderen wurde auch die Rolle der Schweiz im Europäischen und globalen Markt diskutiert. Die Schweiz könnte im Hinblick auf den Datenschutz eine Vorbildrolle einnehmen. Politik, Bildungsinstitutionen, Firmen und Fachgremien stehen hier gleichermassen in der Verantwortung. Als zweites, bewusst gegensätzliches Thema, wurde der gesellschaftliche Mehrwert von Datenanalysen ausserhalb der üblichen Marktmechanismen diskutiert. Das bedingt die Förderung von Open Data und die Unterstützung durch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.


_Übersicht Projekt #KI Künstliche Intelligenz in unserem Alltag

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