Zu Besuch an der #Shift2020

An der Shift 2020 drehte sich dieses Jahr alles um die digitale Ethik. Immer mehr setzen Unternehmen auf Daten als Geschäftsmodelle. Dadurch sind immer besser personalisierte Angebote möglich, gleichzeitig können gewisse Nutzergruppen aber diskriminiert werden. Es ist also nötig, im Rahmen der digitalen Transformation auch ethische Fragen zu Privatsphäre und Gleichberechtigung zu adressieren.

von Timothy Rüthi
02 Mär / 4 min read

Dessen ist man sich auch bei Unternehmen bewusst und reagiert mit entsprechenden Gremien wie dem “Datenethik-Board” der Swisscom oder dem "Data Board" der Mobiliar. Wichtig sei insbesondere Transparenz darüber, welche Daten ein Unternehmen sammelt und wie diese verwendet werden, so Lajla Fetic von der Bertelsmann Stiftung. Nur so kann verhindert werden, dass Versicherungs- und Pharmaunternehmen gewisse Zielgruppen diskriminieren.

Matthias Spielkamp, Gründer und Geschäftsführer von AlgorithmWatch präsentierte mit dem ADM-Manifest zu Prozessen algorithmischer Entscheidungsfindung (algorithmic decision making, ADM) ein Ansatz, wie ein ethisch vertretbares Zusammenleben mit Algorithmen möglich ist. So ist es wichtig, die Nachvollziehbarkeit von ADM-Prozessen durch eine Kombination aus Technologien, Regulierung und geeigneten Aufsichtsinstitutionen herzustellen.

In der Breakout Session zum Privatsphäre-Paradox präsentierte Dr. Sarah Genner ihre Thesen dazu, was Gründe sein könnten, dass nur wenige Menschen trotz hohem Risikobewusstsein und Bedürfnis nach Privatsphäre ihre persönlichen Daten ausreichend schützen. Ein Befund, der auch aus dem DigitalBarometer 2019 hervorgegangen ist. Überforderung, Resignation, aber auch das häufig verwendete Argument, man habe nichts zu verbergen sowie der Wunsch gesehen zu werden sind nur ein paar Themen, die im Rahmen der Session thematisiert und diskutiert wurden.

Im Schlussgespräch mit Patrizia Laeri (Moderation) stellte Professorin Sarah Spiekermann von der Wirtschaftsuniversität Wien klar, dass es nicht getan sei, wenn Unternehmen für sich einfach die fünf Punkte der Daten-Ethik definieren. Die Digitalisierung bringt fundamentale Veränderungen für das gesamte Leben mit sich. Eine breite Diskussion der Werte einer digitalen Gesellschaft ist nötig. Eine Diskussion in der Wert nicht Geld bedeute, sondern das, was «gut» für den Menschen sei. Bei dieser Diskussion mit der Gesellschaft möchte auch die Stiftung Risiko-Dialog mit ihrer Initiative APROPOS_ ansetzten und gemeinsam mit den Menschen eine Zukunft gestalten, in der alle von der Digitalisierung profitieren.

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