Die Corona-Pandemie prägte das Jahr 2020. Schon mit der ersten Welle gab es einen Schub für die Digitalisierung. Er führte zu einem intensiven Lernprozess mit viel Ausprobieren im Beruflichen, Schulischen und Privaten. Spätestens jetzt haben wir alle realisiert, dass das «Digitale» nicht ein Widerspieler des Analogen, sondern ein normaler Teil unseres alltäglichen Daseins geworden ist. Damit ist es auch nicht per se gut oder schlecht, sondern wie vieles im Leben in seinen Facetten zu beleuchten.

Die Pandemie-Monate waren von einer operativen Hektik geprägt. Verfügbare hilfreiche digitale Tools wurden genutzt und gegebenenfalls auch wieder verworfen. Ob all dem gerieten strategische Überlegungen, beispielsweise zum Umgang mit Daten, zu geforderten digitalen Kompetenzen in der Meinungsbildung oder zur beruflichen Zukunft, etwas in den Hintergrund.

Diese wichtigen Fragen sind nach wie vor da und Teil eines Gesamtblicks auf die Digitalisierung. Was sind die zentralen Erfolgsfaktoren, um die digitale Transformation nutzbringend für alle zu gestalten? Welche Rolle spielt der Staat oder die Schweiz dabei? Was beschäftigt die Bevölkerung, und was unterstützt jede und jeden von uns auf dem Weg in die Zukunft?

Genau da setzt der jährlich erscheinende Mobiliar DigitalBarometer der Initiative APROPOS_ der Stiftung Risiko-Dialog an. Er wird von der Stiftung Risiko-Dialog inhaltlich verantwortet und von der Mobiliar Versicherung als Partner finanziell aus dem Gesellschaftsengagement unterstützt. Der DigitalBarometer bietet differenzierte Analysen zu verschiedenen Bereichen der Digitalisierung. Der Fokus liegt auf der Perspektive der Bevölkerung und gibt ihr eine Stimme. Auch zeigt er, wo weiteres Engagement nötig ist, um die Bevölkerung abzuholen. Durch die jährliche Wiederholung der Befragung werden Veränderungen in der Debatte oder der gesellschaftlichen Dynamik aufgezeigt.

In der zweiten Ausgabe des Mobiliar DigitalBarometers, stehen 2020/21 folgende 6 Themenfelder im Fokus: «Zukunft der Arbeit», «Meine Daten», «Politische Meinungsbildung», «5G», «E-ID» und «Smart City». «Meine Daten» ist das diesjährige Vertiefungsthema. Damit wurden wiederum bewusst alltagsnahe Anwendungen gewählt, welche für die Bevölkerung von Relevanz sind. Übergreifende Themen und zugrunde liegende Technologien wie künstliche Intelligenz, Informationsasymmetrie oder Datensicherheit werden so konkret fassbar gemacht.


Digitalisierung in der Schweiz

Insgesamt steht die Schweizer Wohnbevölkerung der Digitalisierung positiv gegenüber. Sowohl für die Gesellschaft wie auch für die eigene Lebensqualität und die Wirtschaft sieht die Mehrheit der befragten Personen überwiegend Chancen. Sie fordern gleichzeitig eine differenzierte Auseinandersetzung mit möglichen Gefahren.


Chancen- und Gefahrenwahrnehmung der Digitalisierung für drei Bereiche

Es fällt auf, dass die Chancensicht für die Wirtschaft am ausgeprägtesten ist. Dies ist nachvollziehbar, da das Thema im wirtschaftlichen Kontext stark positiv getrieben ist. Auch für die eigene Lebensqualität bringt die Digitalisierung mit neuen Möglichkeiten der sozialen Vernetzung oder des Lernens viel Nutzen mit sich, was sicher zur positiven Perspektive beiträgt. Mit Blick auf die Gesellschaft herrscht eine klar differenziertere Sicht vor. Die meisten Befragten sehen da gleichermassen Chancen wie Gefahren – Nutzen wie Herausforderungen scheinen sich grob die Waage zu halten.

Stellt man sich nun die Frage, wie die Bevölkerung in den untersuchten Themenfeldern der Digitalisierung denkt, sieht man, dass sich gewisse Muster abzeichnen. So sehen Menschen, die für eine offene, tolerante und ökologische Schweiz sind, mehr Chancen als Menschen, die eine starke, traditionelle und unabhängige Schweiz bevorzugen. Auch zeigt sich, dass Männer tendenziell mehr Chancen assoziieren. Zudem lässt sich ein Sprachregionen-Effekt feststellen. Über alle Themenfelder hinweg hat die Romandie eine weniger positive Sicht auf die Digitalisierung als die Deutschschweiz und das Tessin. Keine Unterschiede konnten hingegen zwischen verschiedenen Siedlungstypen gefunden werden. Die häufig berichtete Stadt-Land-Kluft in der Digitalisierung zeigte sich in den von uns untersuchten 6 Themenfeldern nicht, was dafür spricht, dass auch in ländlichen Regionen das Potential der Digitalisierung gesehen wird.


Wahrgenommene Stärken der Schweiz in Bezug auf Digitalisierung


Wenn man nun fragt, was das spezifisch Schweizerische in der Digitalisierung ist, sieht eine deutliche Mehrheit die Stärken im Know-how in Forschung und Wirtschaft sowie in der Aus- und Weiterbildung. Knapp die Hälfte findet zudem, dass die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Staat und Forschung gut funktioniere. Weniger Stärken werden hingegen im Umgang der Bevölkerung sowie der Behörden mit der Digitalisierung gesehen. Dies könnte die Haltung in der Schweiz widerspiegeln, dass man sich eher auf etablierte und gut abgestimmte Lösungen einlassen möchte. Die Bevölkerung scheint sich weniger Bereitschaft zuzuschreiben, auch mal einfach etwas Neues auszuprobieren; ein Zögern, das im Widerspruch steht zur schnellen Dynamik der Digitalisierung selbst. Auch im Umgang mit Daten wird die Schweiz nicht als Pionierin angesehen. Die Bevölkerung ist sich bewusst, dass der Gestaltungsraum der Schweiz in der Digitalisierung durch die vielen internationalen Akteure nicht überall gleich gross ist. Dies heisst aber nicht, dass in ganz konkreten Themen wie E-ID doch Abstimmungen nötig sind. 11


Digitalisierung partizipativ gestalten

Die Bevölkerung sieht Handlungsbedarf in der Digitalisierung und wünscht sich Partizipation. Dabei ist eine Mehrheit der Befragten davon überzeugt, dass man als Einzelperson in der Gesellschaft etwas bewirken kann. Die Grundlage für eine gemeinsame Gestaltung der digitalisierten Zukunft ist gegeben.


Handlungsbedarf in den 6 Themenfeldern

In allen Themenfeldern besteht Handlungsbedarf. Der Handlungsbedarf zeigt auf, inwiefern die Befragten der Meinung sind, dass etwas verändert werden soll. Dabei können ganz unterschiedliche Massnahmen gemeint sein, wie etwa politische Entscheidungen, mehr Forschung, verbesserte Information oder ein intensivierter Dialog zwischen Staat und Wirtschaft.


Wer und warum jemand Handlungsbedarf sieht, kann je nach Themenfeld unterschiedlich sein: Im Thema Meine Daten zeigt sich, dass mit zunehmender Gefahrenwahrnehmung der Handlungsbedarf als grösser empfunden wird. Hier steht der Wunsch im Vordergrund, den Umgang mit damit verbundenen Herausforderungen zu adressieren. Genau umgekehrt ist es im Thema E-ID, wo Personen, die eher Gefahren sehen, mehrheitlich angeben «gar nichts» machen zu wollen. Dies mag damit zusammenhängen, dass es die E-ID noch nicht gibt und daher die Notwendigkeit zu partizipieren nicht gesehen wird. Auch im Thema Smart City zeigt sich, dass es primär die Personen sind, die Chancen mit dem Thema verbinden, die Handlungsbedarf sehen. Bei Smart Cities scheint also das Mindset vorzuherrschen, sich aktiv einbringen zu müssen, um auch von den Chancen zu profitieren.


Partizipationsbedürfnis in den 6 Themenfeldern

Das Partizipationsbedürfnis der Bevölkerung ist in der unten stehenden Grafik abgebildet. Partizipation umfasst hier das gesamte Spektrum von sich informieren und im persönlichen Umfeld diskutieren über Anwendungen testen bis hin zu sich politisch einbringen. Auch das Partizipationsbedürfnis ist in allen Themenfeldern hoch. Im Vordergrund stehen dabei Themenfelder, wo jede / jeder entweder selber direkt betroffen ist oder sich selber engagieren will – sei es bei der politischen Meinungsbildung, der Zukunft der Arbeit oder im Umgang mit Daten. Primär möchte sich der Grossteil der Befragten erst mal besser in den einzelnen Themen informieren. Wie man sich in den einzelnen Themenfeldern engagieren kann, scheint jedoch eher unklar. Dies zeigt sich auch im Befund, dass häufig anderen Akteuren als sich selbst die Verantwortung für die Weiterentwicklung in den Themen zugeschrieben wird.


Weitere Informationen


Wer einzelne Exemplare der Druckversion wünscht, meldet sich via info@apropos.swiss (nur solange Vorrat)

Themen