Das Internet bietet viele Möglichkeiten, um sich über politische Themen zu informieren und die eigene Meinung mitzuteilen. Je nach Nutzerverhalten werden beispielsweise in Newsfeeds von Social Media andere Beiträge angezeigt und automatisierte Inhalte erstellt, was die Mei-nungsbildung für Abstimmungen und Wahlen erschweren kann.


Wer steht primär in der Verantwortung im Thema politische Meinungsbildung?

Die politische Meinungsbildung hat als Thema für Schweizer Wohnbevölkerung eine hohe Relevanz. 44 % der Befragten geben an, durch die Digitalisierung gleichermassen Chancen und Gefahren für die politische Meinungsbildung zu sehen. Unabhängig von der Chancen- und Gefahrenwahrnehmung wird Handlungsbedarf gesehen. Die Hälfte der Befragten sieht im Themenfeld einen hohen Handlungsbedarf, nur 12 % denken, dass nichts getan werden muss. Dies ist unter anderem wohl auf die zunehmende mediale Berichterstattung im Zusammenhang mit Vorfällen oder Verdachtsfällen im Ausland zurückzuführen, wo die politische Meinung stark digital beeinflusst wurde. Zudem war das Thema während der Wahlen im Herbst 2019 auch im Kontext Schweiz erstmals stark präsent. Das Funktionieren politischer Prozesse wie die Meinungsbildung ist eine zentrale Notwendigkeit. Dies denken die Befragten und sehen primär die Politik (73 %) in der Verantwortung. Aber auch sich selbst (60 %) sowie die Medien (61 %), was zum einen auf eine hohe empfundene Eigenverantwortung hinweist, zum anderen die wichtige Rolle der Medien in der politischen Meinungsbildung in der Schweiz aufzeigt.


Relevante Absender zur politischen Meinungsbildung

Unter den 6 Themenfeldern ist bei der politischen Meinungsbildung das Partizipationsbedürfnis am grössten. 86 % der Befragten möchten in der einen oder anderen Art mitwirken. Der Grossteil gibt an, sich selbstständig informieren zu wollen (73 %), 56 % möchten mit Leuten im sozialen Umfeld diskutieren und 39 % ihr eigenes Verhalten anpassen, z. B. durch Nutzen von Faktencheck-Seiten.

Die wichtigste Informationsquelle bei der politischen Meinungsbildung sind die klassischen Medien: Zwei Drittel der Befragten (64 %) geben an, sich an klassischen Medien zu orientieren, um sich über politische Themen eine Meinung zu bilden. Aber auch die Politik (53 %) sowie das persönliche Umfeld (55 %) haben eine hohe Relevanz. Bei 18 – 34-Jährigen ist das persönliche Umfeld sogar wichtigste Informationsquelle. Das Informationsverhalten scheint sich also zu verändern. Es ist gut vorstellbar, dass das persönliche Umfeld zukünftig an Wichtigkeit gewinnen und die klassischen Medien als wichtigste Informationsquelle ablösen wird.


Nutzung einzelner Informationskanäle

Die am häufigsten genutzten Kanäle, um sich politisch zu informieren, sind Webseiten, z. B. von Parteien und Behörden (44 %) und Gratis-Medienangebote (43 %). Fast ein Fünftel nutzt zudem Facebook (18 %), wie aus der Grafik rechts hervorgeht. Gleichzeitig vermuten die Befragten auf Social-Media-Kanälen ein häufiges Vorkommen von Fake News. Bei den öffentlich einsehbaren Plattformen (Facebook, Youtube, Instagram, Twitter) wird das Vorkommen signifikant höher eingestuft als bei Private-Messengers (Whatsapp, Telegram), obwohl diese nachweislich die grössten Verbreiter von Fake News sind. Zudem zeigt sich, trotz hoher Nutzung, eine ebenso grosse Skepsis gegenüber Gratis- Medienangeboten.


Eingeschätzter Anteil Fake News auf einzelnen Informationskanälen

Im Umgang mit dem Thema wird bei einer Mehrheit der Befragten die Wichtigkeit der schulischen Aufklärung betont (57 %). Aber auch die Stärkung von unabhängigen Medien wird gewünscht (57 %). Zudem stossen Fakten-Check-Seiten auf Interesse (44 %).


Fazit und Empfehlungen

Wenn es um politische Fragestellungen geht, orientiert sich die Wohnbevölkerung in erster Linie (noch) an klassischen Medien. Jedoch kann sich das in Zukunft verschieben. Das persönliche Umfeld spielt bei der politischen Meinungsbildung eine grosse Rolle und scheint an Bedeutung zuzunehmen. Dies zeigt sich darin, dass es bei den 18 – 34-Jährigen der wichtigste Informationskanal ist. Diese Entwicklung ist vor allem auch im Kontext digitaler Medien und Fake News zu berücksichtigen. Denn Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Telegram werden als Fake-News-Verbreiter unterschätzt, da Meinungsbildung sehr häufig über das direkte persönliche Umfeld geschieht. Hier müssen Menschen weiter sensibilisiert werden.

Weiter sind ein Grundstock an digitaler Medienkompetenz und ein gesundes Mass an kritischem Denken nötig, um in der digitalen Welt Informationen zielgerichtet zu finden, zu erfassen und Fake News zu erkennen. Dafür sollen Schul- und Weiterbildungen gefördert werden – mit verschiedensten Formaten. Ebenso gilt es, neue technologische Lösungsansätze wie den Einsatz künstlicher Intelligenz oder visuelle Kennzeichnungen mit z. B. Icons, die auf kritisches Hinterfragen aufmerksam machen, zu lancieren und so die Meinungsbildung zu unterstützen.