Technologien wie Künstliche Intelligenz und Robotik führen zu veränderten Berufsbildern, was neue Anforderungen an Arbeitnehmende stellt. Die zunehmende Automatisierung entlastet uns von Routinetätigkeiten. Neue Berufe entstehen, gewisse Berufe verschwinden jedoch ganz.

Die Zukunft der Arbeit hat für die Bevölkerung von den 6 untersuchten Themen die höchste Relevanz. Dies ist nachvollziehbar, da die Erwerbsarbeit ein Grundbedürfnis in unserer Gesellschaft abdeckt. Für viele muss der Beruf auch sinnstiftend sein. Veränderungen in der Arbeitswelt betreffen die Menschen daher stark und werden viel diskutiert. Ein Drittel der Befragten gibt an, persönlich stark durch solche Entwicklungen betroffen zu sein. Am stärksten betroffen fühlen sich die 18 – 34-Jährigen. Sie zeigen auch die höchste Bereitschaft, ihr eigenes Verhalten anzupassen, z. B. durch besuchen von Weiterbildungen. Die Altersgruppe der 65-Jährigen und älter fühlt sich hingegen am wenigsten betroffen, was nachvollziehbar ist, da nur ein kleiner Teil noch berufstätig ist. Nur ein Viertel gibt an, das eigene Verhalten anpassen zu wollen.

Für die Mehrheit der Befragten ist klar, dass im Themenfeld etwas getan werden muss. 67 % der Befragten geben an, dass ein grosser Handlungsbedarf besteht. Hierbei wird in erster Linie die Politik (70 %) als wichtige Akteurin genannt, gefolgt von der Wirtschaft (59 %), den Behörden (56 %) und der Bevölkerung selbst (54 %). Personen, die Chancen mit dem Thema assoziieren und die sich persönlich betroffen fühlen, sehen mehr Handlungsbedarf.

In der Grafik rechts sieht man, dass der Anteil Personen, die ihr eigenes Verhalten anpassen möchten, über alle berufstätigen Altersgruppen hinweg hoch ist. Im Vergleich zum letzten Jahr wurde allen noch stärker klar, dass Veränderungen auch auf individueller Ebene notwendig sind. Insbesondere die 35 – 49-Jährigen fielen im DigitalBarometer2019 durch eine sehr geringe Bereitschaft, Weiterbildungen zu besuchen, auf (28 %). Die vermehrt direkte Ansprache dieser Altersgruppe in den vergangenen Monaten scheint deren Bereitschaft zu Veränderungen gestärkt zu haben.

Darüber hinaus werden vielfältige Ansätze gefordert: In der Schulbildung soll ein verstärkter Fokus auf digitale Kompetenzen gelegt werden (51 %) und individualisierte Informations- und Weiterbildungsangebote müssen geschaffen werden, um sich digitale Kompetenzen anzueignen (49 %). Es besteht zudem der Wunsch nach weiterer Forschung, die untersucht, welche Arbeitsplätze durch die Digitalisierung entstehen bzw. gefährdet sind (50 %), und nach entsprechender staatlicher Unterstützung beim Aufbau neuer bzw. zum Erhalt gefährdeter Berufsfelder (49 %).

Spannend ist anzuschauen, wie die Digitalisierung der Arbeit in den unterschiedlichen Branchen verschieden wahrgenommen wird. In Branchen mit freiberuflichen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und technischen Dienstleistungen sowie in der Informations- und Kommunikationsbranche überwiegen die Chancen wenig überraschend. Weiter zeigt sich, dass Personen aus der Land- und  Forstwirtschaft sowie Fischerei in der Digitalisierung deutlich mehr Gefahren für die Arbeitswelt sehen als in den restlichen Bereichen. Betrachtet man die politische Einstellung der Befragten, sind es die stärker traditionell eingestellten Menschen, die deutlich mehr Gefahren sehen. Sowohl  progressiv als auch moderat eingestellte Menschen haben eine Chancensicht.


Chancen- / Gefahrenwahrnehmung der Digitalisierung in den einzelnen Branchen


Fazit und Empfehlungen

Spätestens die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass die Digitalisierung eine zentrale Rolle im Arbeitskontext spielt. Dabei geht es nicht darum, Analoges einfach zu digitalisieren, sondern Arbeitsweisen, Prozesse und letztlich die Arbeitskultur neu zu denken. Diese Bedeutung des Digitalen in der künftigen Arbeitswelt widerspiegelt sich auch in der hohen Relevanz, welche das Thema für die Bevölkerung hat.

Gegenüber 2019 ist zudem eine positivere Wahrnehmung sichtbar. Zunehmend werden auch Chancen gesehen. So bekommt beispielsweise durch die Automatisierung von Routinetätigkeiten und dank Künstlicher Intelligenz das Menschliche mehr Platz. Kreative und beziehungspflegende Berufe erlangen mehr Wichtigkeit. Die Leute sind sich ihrer eigenen Verantwortung bewusst und zeigen eine proaktive Haltung, sich zu informieren oder weiterzubilden. Der DigitalBarometer2019 empfahl, speziell die mittlere Altersgruppe im Thema zu aktivieren, da sie dem Thema noch wenig Aufmerksamkeit schenkt. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass dies Wirkung gezeigt hat.

Diese vielversprechende Ausgangslage gilt es zu nutzen. Die Schweiz bietet ein hochstehendes Bildungssystem.  (Weiter-)Bildungsangebote sind gefragt. Gleichzeitig weiss man noch immer zu wenig darüber, welche beruflichen Kompetenzen zukünftig gefragt sind. Auch die Forschung hat dazu noch viele offene Fragen, weshalb zu Recht weitere Ideen gefordert werden. Nicht zuletzt bleibt es eine Schwierigkeit, in diesem hoch ökonomischen Thema ein Gleichgewicht zu den sozialen Aspekten zu finden. So sind beispielsweise Systeme der sozialen Absicherung  weiterzuentwickeln, um die Transformation hin zu einer künftigen Arbeitswelt zu unterstützen. Damit ist die Schweiz bereit, Chancen wahrzunehmen und gleichzeitig Härtefälle abzufedern.