Im Zuge der Digitalisierung ermöglicht uns das Internet der Dinge (IoT) immer grössere Teile des Zuhauses miteinander zu vernetzen und zentral zu steuern. Dadurch kann Energie eingespart werden, da zum Beispiel das Licht nur dann brennt und die Heizung nur dann an ist, wenn sich auch Personen in der Wohnung befinden. Das Smart Home kann sich auch immer stärker an die individuellen Bedürfnisse und Gewohnheiten der Bewohner anpassen und verspricht so, deren Lebensqualität zu erhöhen.

Die Anwendungsbereiche gehen dabei längst über die «simple» Steuerung von Licht und Heizung hinaus. Smarte Kühlschränke erlauben den Besitzern beim Einkaufen, über ihr Handy in Echtzeit den Bestand im Kühlschrank zu überprüfen. Und bald schon wird man nicht mehr selber einkaufen gehen müssen, da der Kühlschrank die ausgehenden Lebensmittel eigenständig nachbestellt. Älteren Menschen ermöglichen Smart Home-Technologien im hohen Alter noch selbstständig leben zu können. Sie registrieren beispielsweise, wenn Bewohner_innen für längere Zeit bewegungslos verharren und setzen Notrufe ab. Sie schalten Herdplatten automatisch aus, wenn keine Pfannen mehr auf dem Herd sind oder verriegeln Türen, wenn sich niemand mehr im Haus befindet.

Diese innovativen und sehr nützlichen Technologien bergen aber immer auch Gefahren in sich: So ist man im Smart Home nie restlos vor Hackerangriffen sicher. Sobald sich eine Person Zugang zum System verschafft hat, kann sie leicht erkennen, ob und wo im Haus sich die Bewohner befinden. Hinzu kommt, dass die Menschen auch im Zuhause immer stärker auf Technologie angewiesen sind. Anstatt Autonomie und Selbstbestimmung zu fördern werden die Bewohner immer abhängiger von Technologie.

Zurückhaltung gegenüber smartem Wohnen
Vernetzte Küchengeräte, automatisierte Reinigungsroboter oder Informations- und Unterhaltungssysteme, die uns per Zuruf Auskunft geben – die Nutzung einer smarten und vernetzten Infrastruktur im eigenen Haus scheint aktuell wenig verbreitet oder gewünscht: Gerade einmal 10 % geben an, smarte Assistenten zu nutzen, 36 % können sich vorstellen, sich in Zukunft einen smarten Assistenten anzuschaffen. Über die Hälfte (54 %) geben an, keine smarten Assistenten im eigenen Zuhause haben zu wollen.

Nutzung smarter Assistenten

Befürworter_innen wollen konkret ausprobieren
Die Forderung nach Mitsprache variiert bei diesem Thema stark. Wer «Smart Home» eher mit Gefahren assoziiert, fordert eine stärkere Einbindung der Bevölkerung*. Auf individueller Ebene möchte sich die Bevölkerung, unabhängig von der Chancen- und Gefahrenwahrnehmung, in erster Linie informieren und Wissen aneignen sowie politische Mitentscheidung wahrnehmen. Smart-Home-Befürworter_innen haben hingegen stärker den Wunsch bei Anwendungsversuchen im Bereich Smart Home teilzunehmen, um sich so ein besseres Bild zu machen*.

Wunsch nach Teilnahme bei Anwendungsversuchen abhängig von der Chancen- / Gefahrenwahrnehmung


Empfehlung: Gezielt Unsicherheiten ansprechen und frühzeitig Rahmenbedingungen schaffen

In der politischen Diskussion hat «Smart Home» zurzeit wenig Aufmerksamkeit, da sich die Bevölkerung aktiv für oder gegen smarte Systeme im eigenen Zuhause entscheiden kann. Offen bleibt die Frage, wieweit smarte Fernseher, vernetzte Sensoren fürs Raumklima oder digitalisierte Türschlösser bereits als Smart Home wahrgenommen werden. Da die Verfügbarkeit solcher Systeme weiter stark zunehmen wird und sie auch immer stärker in Gebäude integriert werden, ist das Thema in der aktuell «unaufgeregten» Phase aufzugreifen. Unsicherheiten zur Verwendung von Daten und Schutz der Privatsphäre sind seitens Industrie und Politik zu thematisieren und mit Lösungen zu unterlegen. Dabei sind auch weitere Stakeholder wie Immobiliengesellschaften oder Architekten und Planer einzubeziehen.

*signifikanter Unterschied

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