#KI Künstliche Intelligenz in unserem Alltag

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Künstliche Intelligenz (KI) in unserem Alltag» mit der SATW und den Akademien der Wissenschaften Schweiz möchten wir mit der interessierten Bevölkerung in unterschiedlichen Sprachregionen konkrete KI-Anwendungsfelder diskutieren und mögliche Rahmenbedingungen/Forderungen zum Einsatz von KI formulieren. Im Austausch mit Experten könnt ihr Zukunftsszenarien ausgestalten und damit eine qualitative Grundlage für eine nachhaltige Zukunft mit KI schaffen. Die erste Veranstaltung fand am in Zürich, die zweite wird am 21. November in Bern stattfinden.

von Timothy Rüthi
07 Jun / 5 min read

In drei Workshopgruppen widmeten sich die Teilnehmenden unterschiedlichen Anwendungsbereichen von KI: KI in sozialen Medien, KI in Bewerbungsprozessen und KI in der Medizin. Die Workshops starteten mit einem Brainstorming in dem Chancen, Gefahren und allgemein Emotionen, welche die Teilnehmenden im jeweiligen Anwendungsbereich beschäftigen, zusammengetragen wurden. Anschliessend gaben die Fachexperten Hintergrundinformationen zu KI im Anwendungsbereich sowie einen vertieften Einblick in die aktuelle Anwendung und der Weiterentwicklung. Die eingangs im Brainstorming erarbeiteten und als am wichtigsten empfundenen Handlungsfelder wurden priorisiert und anhand ausgewählter Fragestellungen diskutiert sowie Lösungsansätze zur Verbesserung besprochen.

Im Workshop «KI in sozialen Medien» von Tanja Rüedy und Michael Reiss, beide vom IKMZ der Universität Zürich, wurde der hohe Effizienz- und Komfortgewinn, welcher durch die zunehmende Individualisierung von Informationsangeboten entsteht, als eine grosse Chance genannt. Dieser wurde gleichzeitig auch als eine der Hauptgefahren genannt. Deutlich wurde, dass in diesem Anwendungsbereich eher Ängste und negative Assoziationen dominieren, als dass Chancen wahrgenommen werden. Themen wie die Filterblase und Fake News werden von der KI nicht als isoliert wahrgenommen. Besonderes Unbehagen löste die Art und Weise, wie unterschiedliche Informationszugänge den Meinungsbildungs- und damit auch den Demokratieprozess verändern aus.

Im Workshop «KI in Bewerbungsprozessen» demonstrierte die Expertin Chantelle Larsen Brandt, Future of Work Director Deloitte Switzerland, den Teilnehmern die künstliche Intelligenz «Amelia». Diese selektiert KandidatInnen anhand ihrer Lebensläufe, führt mit Ihnen erste Gespräche und vereinbart Termine zum zweiten Interview mit Firmenmitgliedern. Indem KI-Systeme in Bewerbungsprozessen anhand von Personen- und Performancedaten das künftige Verhalten von Bewerbern voraussagen und geeignete Kandidaten vorschlagen, erhöht dies die Effizienz von normalerweise sehr aufwändigen Rekrutierungsprozessen. Im Gegenzug geht dabei die menschliche Komponente verloren. Im Brainstorming kristallisierten sich fünf dominierende Aspekte heraus: Selektionseffizienz, Fremdsteuerungsängste, Objektivität bei der Vorauswahl, Dateneingabepflicht und der fehlende «Human Touch». Spielerische Pilotprojekte, gesetzliche Eindämmung bis hin zu interdisziplinärer Weiterentwicklung der Technologie waren Ideen, um diese Aspekte in Zukunft zu berücksichtigen und zu verbessern.

Im Workshop «KI in der Medizin» zeigte der Radiologe Dr. Alexander Ciritsis vom Universitätsspital Zürich auf, dass in der Medizin durchaus sinnvolle Anwendungen von KI bereits im Einsatz sind. Sein Anwendungsbeispiel war die Klassifizierung der Brustdichte in Bezug auf das Brustkrebsrisiko. KI kann repetitive Aufgaben ersetzen und Ärzte entlasten, damit diese wieder mehr Zeit für wichtigere Aufgaben hätten – bspw. die Betreuung von Patienten. Eine offene Frage, die beim Brainstorming im Workshop «KI in der Medizin» von einer Teilnehmerin gestellt wurde, war inwiefern man der Technologie mehr Vertrauen kann, als dem Menschen? Wenig umstritten schien der Glaube daran, dass die Technologie unser Leben bereichern kann, beispielsweise durch verbesserte Diagnostik und Therapie. Zu wenig Informationen seien verfügbar und Systemverbesserungen notwendig. Haftungsfragen sollten durch Beteiligung aller Stakeholder in Form eines Dialoges geklärt und durch Richtlinien geregelt werden.

Am Ende wurden die erarbeiteten Lösungen im Plenum vorgestellt und bei einem Apéro vertieft. Der Auftakt zur Veranstaltungsreihe «KI in unserem Alltag» in Zürich ist geglückt. Um noch mehr Schweizer Stimmen und Lösungsmodelle zu KI aufzunehmen und den Diskurs zu starten sind weitere Veranstaltungen in anderen Städten der Schweiz geplant. Am 21. November 2019 macht die Veranstaltung in Bern halt, im Frühjahr 2020 in Lausanne.

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